Das Rote Meer zählt seit Jahrzehnten zu den faszinierendsten Tauchregionen der Welt – und kaum ein anderer Ort verbindet so spielend leicht Erreichbarkeit mit echtem Abenteuer.
Kristallklares Wasser, eine außergewöhnliche Artenvielfalt und ganzjährig angenehme Temperaturen machen die ägyptische Küste zu einem Sehnsuchtsort für alle, die sich nach Begegnungen mit der Unterwasserwelt sehnen. Wo das wüstentrockene Land schroff auf das tiefe Blau trifft, beginnt eine völlig andere Welt: bunte Korallengärten, schwindelerregende Steilwände und ein Gewimmel aus Leben, das selbst erfahrene Taucher immer wieder ins Staunen versetzt. Besonders der Süden des Landes hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, da die Riffe hier noch ursprünglicher und weniger überlaufen sind als in den klassischen Tourismuszentren des Nordens.
Wer einmal in diese faszinierende Welt eingetaucht ist, kommt selten ohne den Wunsch nach mehr zurück. Das warme, salzreiche Wasser trägt einen fast schwerelos, die Sicht reicht an guten Tagen über 30 Meter weit, und jeder Tauchgang erzählt eine eigene Geschichte. Genau das macht die Region rund um Marsa Alam zu einem idealen Ausgangspunkt für unvergessliche Abenteuer unter Wasser – egal, ob man zum ersten Mal eine Maske aufsetzt oder bereits Hunderte Tauchgänge im Logbuch stehen hat.
Warum der Süden Ägyptens so besonders ist
Während Orte wie Hurghada und Sharm El Sheikh seit Langem etabliert sind und an manchen Tagen aus allen Nähten platzen, hat der Süden lange im Verborgenen geschlummert. Diese Abgeschiedenheit ist heute sein größter Vorteil: Die Riffe sind gesünder, die Korallen leuchtender und die Chancen auf Begegnungen mit Großfischen deutlich höher. Wer das tauchen marsa alam einmal ausprobiert hat, schätzt vor allem die ruhige Atmosphäre und die Vielfalt der Tauchplätze, die alle nur eine kurze Boots- oder Autofahrt entfernt liegen.
Die Region bietet für jedes Niveau etwas: flache, geschützte Buchten für Einsteiger und Schnorchler, aber auch anspruchsvolle Steilwände und Hochseeriffe für erfahrene Taucher. Viele Tauchplätze lassen sich sogar direkt vom Ufer aus erreichen – ein seltener Luxus, der spontane Tauchgänge ohne lange Anfahrt möglich macht. Dazu kommt die typisch ägyptische Gastfreundschaft: kleine, familiäre Tauchbasen, in denen man als Mensch und nicht als Nummer behandelt wird, prägen das Erlebnis im Süden ganz entscheidend.
Die schönsten Tauchplätze rund um Marsa Alam
Die Vielfalt der Tauchgründe ist es, die Marsa Alam so besonders macht. Jeder Platz hat seinen eigenen Charakter, und selbst nach einer Woche hat man längst nicht alles gesehen. Wer plant, mehrere Tage zu bleiben, kann das Erlebnis ganz unterschiedlich gestalten:
- Abu Dabbab – eine flache, sandige Bucht, in der Meeresschildkröten und manchmal sogar Seekühe in den Seegraswiesen grasen. Ideal zum Schnorcheln und für entspannte Einsteigertauchgänge.
- Marsa Mubarak – bekannt für seine Seegraswiesen, Schildkröten und gelegentliche Dugong-Sichtungen, dazu ein hübscher Korallengarten am Rand der Lagune.
- Sha’ab Samadai (Dolphin House) – ein hufeisenförmiges Riff, das einer Schule von Spinnerdelfinen als Ruheplatz dient. Schwimmen mit diesen verspielten Tieren ist hier unter strengen Schutzregeln möglich.
- Sha’ab Marsa Alam und die Hausriffe – farbenfrohe Korallenblöcke voller Glasfische, Anemonenfische und neugieriger Muränen, perfekt für lange, gemütliche Tauchgänge.
Diese Plätze lassen sich gut mit dem Boot oder vom Ufer kombinieren, sodass sich ein abwechslungsreiches Programm aus ruhigen und actionreichen Tagen zusammenstellen lässt.
Ein Riff, das weltweit für Aufsehen sorgt
Unter den vielen Tauchplätzen sticht einer ganz besonders hervor. Etwa zwölf Kilometer vor der Küste erhebt sich aus dem Tiefblauen ein langgezogenes Riff, das mit seinen senkrechten Wänden und starken Strömungen pelagische Arten anlockt. Hier lassen sich mit etwas Glück Hammerhaie und im Herbst sogar Weißspitzen-Hochseehaie beobachten – ein Erlebnis, das sich tief in das Gedächtnis eines jeden Tauchers einbrennt. Schon der Blick ins offene, scheinbar grundlose Blau hat etwas Ehrfürchtiges, und das leise Klacken des eigenen Atemreglers wird zur einzigen Begleitmusik.
Das elphinstone tauchen ist allerdings nichts für Anfänger. Tiefe, Strömung und die offene Lage erfordern Erfahrung und eine gute Vorbereitung. Mit einem ortskundigen Guide an der Seite wird der Tauchgang jedoch zu einem sicheren und atemberaubenden Höhepunkt jeder Reise. Die farbenprächtigen Weichkorallen und Gorgonien entlang der Wände sind dabei nur das Sahnehäubchen. Erfahrene Taucher sollten ihre Tarierung sicher beherrschen, auf eine gute Luftreserve achten und den Anweisungen des Guides zur Strömung genau folgen – dann gehört Elphinstone zu den eindrucksvollsten Tauchgängen, die das Rote Meer überhaupt zu bieten hat.
Sanfte Riesen aus den Seegraswiesen
Nicht nur Haie ziehen Taucher in den Süden. In den geschützten Buchten mit ihren ausgedehnten Seegraswiesen lebt eines der seltensten und liebenswertesten Meeressäugetiere überhaupt. Die Begegnung mit einer seekuh im roten meer – auch Dugong genannt – gehört zu den ganz besonderen Momenten, die diese Region zu bieten hat. Diese entfernten Verwandten der Elefanten können bis zu drei Meter lang werden und wirken trotz ihrer Größe geradezu sanft und friedlich.
Diese ruhigen Tiere grasen gemächlich am Meeresboden und lassen sich bei respektvollem Verhalten aus der Ferne beobachten. Oft werden sie von kleinen Schwärmen aus Schiffshaltern begleitet, die wie treue Schatten an ihrer Seite schwimmen. Wer das Glück hat, einem Dugong zu begegnen, sollte unbedingt Abstand halten, keine hektischen Bewegungen machen und das Tier auf keinen Fall berühren oder ihm den Weg versperren – so bleibt das Erlebnis sowohl für Mensch als auch für das Tier ein positives. Da Seekühe sehr störungsempfindlich sind, ist Geduld der Schlüssel: Wer sich zurückhält und das Tier kommen lässt, wird häufig mit den eindrucksvollsten Begegnungen belohnt.
Eine Unterwasserwelt voller Farben und Leben
Auch jenseits der großen Stars hat das Rote Meer Erstaunliches zu bieten. Die Korallenriffe gehören zu den artenreichsten der Welt: Über tausend Fischarten und mehrere Hundert Korallenarten tummeln sich hier auf engstem Raum. Schwärme aus Glasfischen flirren über die Riffdächer, Drücker- und Kaiserfische ziehen ihre Bahnen, und in den Spalten lauern Muränen und gut getarnte Skorpionfische.
Mit etwas Aufmerksamkeit entdeckt man auch die kleinen Wunder: bunte Nacktschnecken, winzige Anemonenfische in ihren wogenden Wirtsanemonen oder eine Schildkröte, die seelenruhig an einem Schwamm knabbert. Wer Glück hat, trifft an den Putzerstationen sogar auf majestätische Adlerrochen oder kreuzt im Freiwasser den Weg eines verspielten Delfins. Dieses ständige Wechselspiel aus Großem und Kleinem sorgt dafür, dass kein Tauchgang dem anderen gleicht.
Tauchausbildung und Kurse vor Ort
Marsa Alam ist nicht nur ein Ziel für erfahrene Taucher, sondern auch ein wunderbarer Ort, um das Tauchen überhaupt erst zu erlernen. Die ruhigen, geschützten Hausriffe und die hervorragende Sicht schaffen ideale Bedingungen für die ersten Atemzüge unter Wasser. Vom Schnupperkurs für absolute Neulinge über den Open-Water-Schein bis hin zu weiterführenden Spezialkursen wie Tieftauchen oder Strömungstauchen ist alles möglich.
Gerade für Einsteiger lohnt es sich, ein kleines, persönlich geführtes Tauchcenter zu wählen, in dem die Gruppen überschaubar bleiben und genügend Zeit zum Üben bleibt. Wer bereits zertifiziert ist, aber länger nicht getaucht hat, sollte ein Auffrischungstraining einplanen – so beginnt der Urlaub entspannt und sicher statt mit unnötigem Stress unter Wasser.

Anreise und Unterkunft
Die Anreise nach Marsa Alam ist denkbar unkompliziert: Der internationale Flughafen liegt nur rund eine Stunde von den meisten Tauchorten entfernt, und es bestehen Direktverbindungen aus vielen europäischen Städten. Vor Ort reicht das Angebot von einfachen, tauchorientierten Gästehäusern bis hin zu komfortablen Resorts mit eigenem Hausriff direkt vor der Tür.
Viele Reisende entscheiden sich für ein Tauchpaket, das Unterkunft, Verpflegung und mehrere Tauchgänge pro Tag bündelt – das spart Organisationsaufwand und sorgt für entspannte Tage am Wasser. Wer flexibel bleiben möchte, kann seine Tauchgänge aber auch einzeln bei einer lokalen Basis buchen und so ganz nach Lust, Laune und Wetter planen.
Die beste Reisezeit und praktische Tipps
Grundsätzlich lässt sich das ganze Jahr über tauchen, doch die Monate von März bis Juni sowie September bis November gelten als ideal. In dieser Zeit sind die Sichtweiten am besten und die Wassertemperaturen angenehm. Im Hochsommer kann es an Land sehr heiß werden, dafür ist das Wasser dann besonders warm; im Winter empfiehlt sich ein etwas dickerer Neoprenanzug. Wer gezielt Haie sehen möchte, sollte den Herbst wählen, denn dann stehen die Chancen an den Hochseeriffen am besten.
Ein paar Empfehlungen für eine gelungene Reise:
- Buche deine Tauchgänge bei einem zertifizierten, lokalen Tauchcenter mit erfahrenen, ortskundigen Guides.
- Bringe einen gültigen Tauchschein und – falls vorhanden – dein Logbuch mit und sei ehrlich bezüglich deiner Erfahrung.
- Denke an einen Tauchcomputer, ausreichend Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung für die Zeit an Bord.
- Plane den letzten Tauchgang mit genügend Abstand zum Rückflug, um Probleme beim Druckausgleich zu vermeiden.
- Achte auf umweltbewusstes Verhalten und halte stets Abstand zu Korallen und Meerestieren.
- Plane genügend Tage ein, um mehrere Tauchplätze in Ruhe zu erkunden.
Verantwortungsvolles Tauchen und Naturschutz
So beeindruckend die Unterwasserwelt des Roten Meeres auch ist – sie ist zugleich verletzlich. Korallen wachsen nur wenige Millimeter pro Jahr, und schon eine einzige unachtsame Flossenbewegung kann jahrzehntealtes Riff beschädigen. Wer diese einzigartige Landschaft auch künftigen Generationen erhalten möchte, taucht deshalb mit Bedacht: gute Tarierung halten, nichts berühren oder aufwirbeln, kein Tier füttern und keinerlei Andenken aus dem Meer mitnehmen.
Auch an Land lässt sich viel bewegen – etwa durch die Wahl eines Tauchcenters, das Wert auf Riffschutz legt, Müll vermeidet und auf umweltschonende Sonnencreme hinweist. Verantwortungsvolles Verhalten kostet nichts, macht den Unterschied aber riesig: Es sorgt dafür, dass das Rote Meer bleibt, was es heute ist – eines der schönsten Tauchparadiese der Erde.
Fazit
Der Süden Ägyptens ist ein wahres Juwel für alle, die die Unterwasserwelt in ihrer ursprünglichsten Form erleben möchten. Von dramatischen Steilwänden über farbenfrohe Korallengärten bis hin zu seltenen Meeressäugern – die Region hält für jeden Taucher unvergessliche Momente bereit. Sie verbindet Abenteuer und Entspannung, eignet sich für Anfänger ebenso wie für Profis und überrascht selbst Vielgereiste immer wieder aufs Neue.
Wer einmal hier war, wird die Faszination des Roten Meeres so schnell nicht wieder vergessen. Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Stille, Weite und überbordendem Leben, die einen immer wieder zurückkehren lässt – hinab in das tiefe Blau, das so vieles zu erzählen hat.

